Bildschirme - Wie sollen Kinder sie nutzen?

Bildschirme - Wie sollen Kinder sie nutzen?
22. April 2024

Wie können wir unseren Kindern einen sinnvollen und konstruktiven Zugang zur Bildschirmnutzung vermitteln? Hast du Zweifel, inwieweit Smartphones, Tablets, Computer und Co. einen schädlichen Einfluss haben können? Sind Bildschirme eigentlich etwas, das uns Sorgen machen sollte?

Die Spieltanten haben sich mit dem Thema auseinandergesetzt und haben ein paar Ratschläge aus ihren Einsichten formuliert, die sie gerne mit dir teilen möchten.

Warum nimmt das Thema Bildschirmnutzung momentan so viel Raum ein?

Nicht allen ist es bewusst, doch waren wir im Laufe der vergangenen Jahrzehnte Zeugen eines umfangreichen historischen Wandels, nämlich der digitalen Revolution. Innerhalb einer relativ kurzen Zeitspanne wurden analoge Technologien mit immer komplexeren digitalen Technologien ersetzt und ergänzt. Das Internet und die damit verbundenen technologischen Errungenschaften haben unsere Welt nachhaltig verändert.

Kinder und Erwachsene besitzen oft gleich mehrere mobile technologische Geräte mit Bildschirmen, die mehr oder weniger den ganzen Tag lang verfügbar sind. Dies hat zur Folge, dass unsere Zeit vor den Bildschirmen in den letzten Jahren rasant angestiegen ist. Und das hat natürlich Folgen. Die Konsequenzen des hohen Bildschirmkonsums sind vielschichtig, und während wir noch immer viel zu lernen haben, ist es wesentlich, dass wir Verantwortung übernehmen und uns für eine Bildschirmnutzung einsetzen, die sinnvoll und nicht schädlich ist. 

Wir haben uns daher aktuelle Empfehlungen von Experten angesehen und möchten dir anhand derer auf ein paar Kernfragen zum Thema Bildschirmnutzung bei Kindern und Jugendlichen antworten.

Hvor meget skærmtid må mit barn få?Hvor meget skærmtid må mit barn få?

Die AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften) hat im Juli 2023 Empfehlungen für die Nutzung von Smartphone, Tablet, Computer, Spielkonsolen und Fernsehen herausgegeben. Diese kannst du hier finden. Wir haben die Empfehlungen, die nach Altersgruppen gestaffelt sind, noch einmal für dich hier zusammengefasst:

0 - 3 Jahre:

Man empfiehlt keine Bildschirmnutzung (außer Videotelefonate mit Familienmitgliedern) für Kinder unter 2 Jahren. Es sollte so weit wie möglich umgangen werden, dass die Kleinen dabei sind, wenn andere Familienmitglieder ihre Bildschirme verwenden. Wenn ab 18 Monaten kurze Inhalte angesehen werden, sollte dies gemeinsam mit einem vertrauten Erwachsenen erfolgen.

3 - 6 Jahre:

Im Kindergartenalter sollten Kinder so wenig Zeit wie möglich vor Bildschirmen verbringen. Bewegung, zwischenmenschliche Interaktionen und Erfahrungen in der echten Welt sind wesentlich für eine gesunde Entwicklung. Daher sollten Kinder in diesem Alter maximal eine halbe Stunde vor dem Bildschirm verbringen, möglichst im Beisein eines Erwachsenen.

6 - 9 Jahre:

Kinder im Grundschulalter sollten in ihrer Freizeit maximal eine Dreiviertelstunde vor dem Bildschirm verbringen. Eine eigene Spielkonsole sollte frühestens mit 9 Jahren zugänglich sein.

10 - 13 Jahre:

Kindern in dieser Altersgruppe empfiehlt man maximal 90 Minuten täglich oder 10 Stunden wöchentlich. Ab 14 Jahren können die Nutzungszeiten dann neu verhandelt werden, um exzessivem Bildschirmkonsum vorzubeugen und Rücksicht auf individuelle Bedürfnisse zu nehmen. (Quelle: klicksafe.de, eine EU-Initiative für Online-Kompetenz).

Generelle Empfehlungen für Eltern:

 

  • Es ist wichtig, dass Eltern Interesse zeigen, damit ein Bezug zu den Inhalten und den Gefühlen ihres Kindes bestehen kann. Es macht auch Sinn, begleitend an der Seite zu sein und sich über das Gesehene anschließend zu unterhalten.
  • Suche den Dialog zu deinem Kind, wenn es die Befürchtung hat, ein Außenseiter zu werden, weil Freunde und Gleichaltrige andere digitale Inhalte konsumieren oder andere Eltern mehr erlauben.
  • Vor dem Schlafengehen sind Bildschirme tabu, u. a. weil das Licht die Schlafqualität beeinträchtigen kann. Mindestens eine Stunde davor schalten wir die Bildschirme aus und widmen uns ruhigen und entspannenden Aktivitäten und machen uns für das Bett fertig.
  • Handys, Tablet und Co. sollten nicht neben dem Bett liegen und aufgeladen werden. Die Geräte sollten am besten ausgeschaltet werden, denn Bildschirmaktivität kann den Schlaf stören und die Schlafqualität beeinträchtigen.
  • Bildschirme sollten nicht als pädagogisches Mittel zur Belohnung, Bestrafung oder emotionalen Regulierung verwendet werden.
  • Sorge für eine variierende Gestaltung der Freizeit deines Kindes im Alltag und achte auf genügend Bewegung.
  • Lernen muss nicht immer am Bildschirm stattfinden. Wissen kann auch analog eingeholt oder anhand von Erfahrungen bereichert werden.
  • Es lohnt sich, bildschirmfreie Zeiten im Alltag zu reservieren. Beim Essen sind Bildschirme klarerweise tabu und es ist auch sinnvoll, ein oder zwei Tage die Woche zu haben, die man ganz bewusst für Aktivitäten abseits von Handy und Co. reserviert.
  • Sei aufmerksam, ob dein Kind Anzeichen einer Bildschirmsucht zeigt und hol dir gegebenenfalls Hilfe bei einer Beratungsstelle für Erziehung oder Abhängigkeit. Werde dir auch bewusst über dein eigenes Bildschirmverhalten, damit eure Beziehung dadurch nicht negativ beeinflusst wird.

Eltern sind Rollenmodelle für ihre Kinder. Das gilt auch bei digitalen Gewohnheiten. Kinder sind eher geneigt, das zu tun, was ihnen vorgelebt wird, als das, was ihnen aufgetragen wird. Eine Untersuchung, die 2021 von Børns Vilkår (einer privaten humanitären Organisation für Kinder in Dänemark) und YouSee (ein dänisches KabelTV- und Spielunternehmen, Anmerk. d. Verf.) in Auftrag gegeben wurde, zeigt einen klaren Zusammenhang zwischen der Bildschirmzeit der Eltern und der Kinder, wenn es um die Nutzung digitaler Medien geht: Je mehr Zeit die Eltern für digitale Medien aufwenden, desto mehr Bildschirmzeit gibt es auch bei ihren Kindern. Darüber hinaus können auch Kontakt und Bindung negativ davon beeinflusst werden. (Zitat der dänischen Kinderhilfsorganisation Børns Vilkår, 2023).

Bildschirmzeit für Kinder vor dem Schulalter

Für Kinder ist es wesentlich, sich ausreichend zu bewegen, mit ihrem Körper und ihren Sinnen zu experimentieren und ganz im Hier und Jetzt zu sein. Passivität ist für Kinder ganz einfach keine gute Idee.

Die WHO empfiehlt Kindern zwischen 2 und 4 Jahren, täglich höchstens eine Stunde vor einem Bildschirm zu verbringen. Kindern unter zwei Jahren rät die Weltgesundheitsorganisation inzwischen vollständig von Bildschirmen ab. 

Die American Academy of Pediadrics in den USA empfehlen, dass Kinder frühestens ab 18 Monaten in Kontakt mit den Bildschirmmedien kommen. Für zwei- bis fünfjährige Kinder empfiehlt die Organisation maximal eine Stunde täglich mit Bildschirmzeit (am besten mit pädagogisch wertvollen Inhalten) im Beisein eines Erwachsenen, der helfen kann, diese Inhalte zu verstehen und mit dem Kind zu erörtern.

Auch das deutsche Bundesgesundheitsministerium hat aktuelle Guidelines online verfügbar gemacht, die Eltern und Erzieher helfen sollen, im Alltag mit Bildschirmen vernünftig navigieren zu können. Hier kannst du die pädiatrischen Empfehlungen für Eltern zum achtsamen Bildschirmgebrauch finden.

Die negativen Seiten übermäßigen Bildschirmkonsums

Was viele der Empfehlungen international gemeinsam haben, die übrigens alle auf verlässlichen Studien beruhen, ist die Aufforderung an Eltern, für eine abwechslungsreiche Gestaltung des Tages und viel Interaktion und Kommunikation mit den Kindern zu sorgen. Doch obwohl wir uns normalerweise einigermaßen bewusst sind, dass Bildschirme eine negative Wirkung auf uns haben können, verhalten wir Erwachsene uns leider auch nicht immer unbedingt vorbildhaft. Oft ist ein Mangel an Bewegung und echter Nähe mit anderen Menschen verbunden mit einem exzessiven Bildschirmkonsum. Was daraus resultieren kann, sind eine Reihe negative Folgen für sowohl Körper, Geist als auch Seele.

  • Beeinträchtigung des Sehsinns
  • Beeinträchtigung der Körperhaltung
  • eine schlechtere kognitive Leistung
  • Einsamkeit
  • Isolation
  • Schlafstörungen
  • ein negatives Selbstbild
  • Schwierigkeiten, die eigenen Gefühle regulieren zu können
  • Angst und Depression

Viele Kinder und Jugendliche tun sich schwer, den Blick von den ewig spannenden und von Algorithmen bestimmten Inhalten zu lösen, was zu Konflikten und Spannungen mit Eltern und Erziehern führen kann. Hat man den Eindruck, dass ein Kind oder ein Jugendlicher in der Familie suchtgefährdet ist, empfiehlt es sich, Unterstützung zu holen. Beispielsweise findest du auf der Seite der Caritas eine Online-Beratung und Hilfe bei der Suche nach Suchtberatungsstellen in der Nähe. Auch das Portal von Erste Hilfe Internetsucht hilft bei der Orientierung.

Woran erkenne ich, dass mein Kind mediensüchtig ist?

Sucht setzt voraus, dass ein Kontrollverlust gegeben ist. Symptome für einen exzessiven Medienkonsum können sein:

  • Es fällt Betroffenen deutlich schwer, das Handy wegzulegen, oft reagiert er/sie mit Frustration
  • Übermäßiger Bildschirmkonsum, der ständig ansteigt
  • Die Freizeit wird vorwiegend vor dem Bildschirm verwendet, während Freizeitaktivitäten, Bewegung und Freunde vernachlässigt werden
  • Schlafstörungen und Gereiztheit
  • Schulleistungen verschlechtern sich
  • Der Bildschirm wird genutzt, um sich emotional auszugleichen
  • Die Bildschirme werden heimlich verwendet
  • Mangelnde Fähigkeit, den Konsum einzuschränken
  • Immer neue Ausreden, um den Bildschirm mehr benutzen zu können

Für uns Eltern gilt es, aufmerksam auf unser eigenes Verhalten und ein gutes Vorbild zu sein. Unsere Kinder brauchen Erwachsene, die dafür sorgen, dass es abwechslungsreiche Aktivitäten im Laufe des Tages gibt, ob nun mit einem Kreisel, einem Ball oder mit dem Laufrad.

Wie bereits erwähnt, raten Experten zu null Bildschirmkonsum, wenn Kinder unter zwei Jahren sind. Die ToyAcademy verkauft aktuell auch kein Spielzeug für Kinder dieses Alters, das einen Bildschirm erfordert. Für Kinder ab drei Jahren haben wir interaktives Spielzeug, das beispielsweise mit Touch-Screen-Technologie funktioniert und das Spielen mit den mitgelieferten Spielelementen noch spannender macht - jedoch nicht am Computer, Tablet oder Smartphonebildschirm.

Bildschirmzeit für größere Kinder 

 

Finde heraus, was dein Kind am Bildschirm macht - und mit wem

Sind es lustige Memes mit Katzen, bestimmte YouTube-Kanäle oder Fortnite-Sessions, die dein Kind fesseln? Dann wäre es vermutlich sinnvoll, dein Kind zu Aktivitäten zu ermutigen, die seiner Entwicklung dienlicher sein können. Oder wenn dein Kind online mit anderen Spiele spielt, gemeinsam YouTube sieht oder Ähnliches, könnte es eine gute Idee sein, die Kinder zu ermutigen, diese Beziehung auch abseits vom Bildschirm zu pflegen. Denn Erinnerungen fürs Leben macht man normalerweise nicht online. Oder kennst du jemanden, der Dinge sagt wie: “Wow, also damals im Mai vor drei Jahren, das war der tollste Tag, als ich auf dem Sofa saß und mir 52 Hundevideos auf YouTube angesehen habe. Das werde ich nie vergessen!”

Vermeide allzu viele strenge Regeln

Größere Kinder reagieren meistens besser, wenn sie merken, dass du ihnen vertraust und sie unterstützen möchtest, wenn es darum geht, die Zeit gut und sinnvoll zu nutzen. Strenge und pedantische Regeln führen hingegen oft zu Widerstand.

Wenn Kinder beispielsweise Spiele spielen, könnte man eine bestimmte Anzahl an Spielrunden festlegen, anstatt eine bestimmte Zeitspanne festzulegen, damit nicht mitten im Spiel abgebrochen werden muss. Denn - wir Erwachsenen schalten ja auch nicht mitten im Fußballmatch den Fernseher aus.

Sorge für sinnvolle Rahmen und einen guten Dialog

Kinder akzeptieren, wenn Eltern Rahmenbedingungen für den Bildschirmkonsum festlegen, solange die Beweggründe offengelegt und auch die Stimme der Kinder gehört wird. Gehört zu werden ist übrigens nicht dasselbe wie recht zu bekommen - es geht hier vor allem darum, einander zuhören zu können, einen respektvollen Dialog zu pflegen und die Gefühle von Kindern anzuerkennen.

Sorge für Alternativen zum Bildschirm

Wenn der Bildschirm ausgeschaltet wird, solltest du bereit für gemeinsame Aktivitäten sein. Viele Kinder greifen nach dem Bildschirm, wenn sie sich langweilen, wenn sie alleine sind. Es lohnt sich, eine Reihe von Aktivitäten für die bildschirmfreien Phasen des Tages zur Verfügung zu haben.

Sei dir deiner Verantwortung bewusst

Forschungsergebnisse und auch die eigene Erfahrung zeigen, dass Eltern beim Medienkonsum eine große Vorbildrolle für ihre Kinder innehaben. Es ist also wenig sinnvoll, die Kinder zu einem bildschirmfreien Abend zu verdonnern, während man selbst mal schnell das Instagramprofil aktualisiert, das Wetter für die nächste Woche googelt und ein paar Nachrichten schreibt. Bildschirmregeln funktionieren am besten, wenn alle Familienmitglieder sich daran halten. Definiert diese daher gerne gemeinsam als Familie, damit sich alle motiviert und verantwortlich fühlen können.

Bildschirmzeit für Preteens und Teenager

 

Fokus auf digitale Kompetenz

Eine festgesetzte Bildschirmzeit allein ist nicht die ideale Form, auf das digitale Verhalten von großen Kindern und Jugendlichen einzuwirken. Es geht darum, eine digitale Kompetenz bei der Nutzung von Medien zu entwickeln. Zeige deinem Kind, wie man die Zeit ohne und mit Bildschirm positiv nutzen kann, um das eigene Wohlbefinden und eine positive Entwicklung zu stärken.

Viel Zeit am Bildschirm wird dieser Tage mit dem Verfassen von Nachrichten und dem Senden von Fotos verbracht. Auch das ist Bildschirmzeit und in Summe sind es viele kleine Augenblicke, die anderen Aktivitäten verloren gehen. Nicht nur werden im Rahmen des Schulunterrichts bereits Bildschirme verwendet, auch in der Freizeit verbringen viele Kinder und Jugendliche viel Zeit an elektronischen Geräten, oft bis zu mehreren Stunden täglich. Dadurch mangelt es oftmals an körperlicher Bewegung, Achtsamkeit und echter zwischenmenschlicher Nähe.

Du kannst Abhilfe schaffen, indem du herausfindest, was dein Kind eigentlich am Bildschirm macht. Finde Aktivitäten abseits vom Bildschirm, die einen angemessenen Ersatz darstellen oder die Bildschirmaktivität sogar toppen können. Vielleicht kann man anstatt des wöchentlichen Online-Spielens auch einfach einen gemütlichen Abend mit Brettspielen organisieren?

Alle Kinder haben soziale Bedürfnisse, und diese sollten vorwiegend “in der echten Welt” gestillt werden. Bildschirmzeit sollte nie die Zeit, Nähe und Beziehungspflege mit der Familie oder mit Freunden ersetzen. Wenn der Bildschirm die Schlafqualität, Beziehungen oder die Freude an der aktiven Bewegung beeinträchtigt, dann ist es höchste Zeit, etwas zu verändern.

Kommunikation findet bei größeren Kindern mehr und mehr am Bildschirm statt. Digitale Kommunikation wie Kurznachrichten, das Versenden von Bildern oder Emojis und Abmachungen findet auf verschiedenen sozialen Medienplattformen bzw. Apps statt. Das Gute daran ist, dass es einem einfach gemacht wird, Kontakte mit vielen verschiedenen Menschen pflegen zu können. Doch sollte man aus irgendwelchen Gründen eine bestimmte App nicht haben, ist man aus diesen digitalen Gemeinschaften ausgeschlossen. 

Bildschirme und Gemeinschaften
Es ist wichtig, dass du deinem Kind zeigst, wie Gemeinschaft und Beziehung gefördert werden können, indem man beispielsweise gemeinsame Aktivitäten arrangiert - beispielsweise einen gemeinsamen Ausflug in die Schwimmhalle. Auch können so diejenigen mit dabei sein, die sonst im Thread eines sozialen Mediums nicht mitreden. Wenn Aktivitäten außerhalb von Social Media Apps organisiert werden, kann man auch diejenigen integrieren, die gewisse digitale Dienste nicht nutzen. Und es wäre schade, wenn Abmachungen nur exklusiv für einen Teil der Kinder zugänglich sind. Nutzt also die Möglichkeit eines Anrufs, sendet SMS oder schreibt ins Kommunikationsforum der Schule. So können alle dabei sein - unabhängig vom Smartphone-Niveau.

Und was ist mit der Bildschirmzeit am Abend?

Mindestens eine Stunde vor dem Schlafengehen sollten die Bildschirme ausgeschaltet und weggeräumt werden, lauten die internationalen Empfehlungen. Eine großangelegte Überblicksstudie der süddänischen Universität, die systematisch 49 ausgewählte Studien zum Thema Bildschirmmedien und Schlaf ausgewertet hat, bestätigte mit der Veröffentlichung der Ergebnisse 2021, dass die Nutzung elektronischer Medien - vor allem kurz vor dem Schlafengehen - einen negativen Einfluss auf das Einschlafen, die Schlafdauer und die Schlafqualität von Kindern und Jugendlichen haben. 

Auch wurde festgestellt, dass elektronische Geräte - selbst im Flugmodus - einen Störfaktor für einen erholsamen Schlaf ausmachen können. Insofern ist es ratsam, alle Geräte nachts aus dem Schlafzimmer zu verbannen und in einem anderen Raum aufzuladen, wenn notwendig.

Die generelle Empfehlung lautet daher, dass du die Bildschirmzeitbegrenzungen nutzt, die in Smartphones verfügbar sind, um sicherzustellen, dass dein Kind vor dem Schlafengehen (und auch direkt nach dem Aufstehen) keinen Zugang zu digitalen Medien hat. Und wie erwähnt, empfiehlt es sich, die betroffenen Geräte ganz aus dem Schlaf- und Kinderzimmer zu verbannen.

Tja, und vielleicht tut es auch uns Erwachsenen gut, wenn wir uns unsere abendlichen Scroll-Gewohnheiten einmal genauer ansehen?

Wieso wirken Bildschirme auf unsere Schlafqualität?

Bildschirme geben blaues Licht ab. Es gibt Studien, die annehmen lassen, dass dieser Lichttyp die Produktion des Schlafhormons Melatonin unterdrückt, ein Botenstoff aus der Zirbeldrüse, der dafür sorgt, dass wir abends müde werden und nachts schlafen. Das Hormon hat eine große Bedeutung für unseren Schlaf-Wach-Rhythmus. Ein Zusammenhang zwischen abendlichem Bildschirmkonsum und einem verzögerten Einschlafen als auch einer generell schlechteren Schlafqualität wurde in mehreren Studien beobachtet und ist deutlich zu erkennen. Insofern sind Bildschirme vor dem Schlafengehen keine ratsame Sache.

Gleichzeitig ist unser Gehirn ein Gewohnheitstier, das auch im Schlafzimmer sofort mit Aufmerksamkeit reagiert, wenn es ein „Pling“ vom Handy hört - egal ob es gerade helllichter Tag oder finstere Nacht ist. 

"Unabhängig vom Alter benötigen Kinder ausreichend viel Schlaf, um lernen zu können - sowohl was Eindrücke im Laufe des Tages betrifft, als auch Lerninhalte im Kindergarten und in der Schule. Ausgeruht zu sein hat eine große Bedeutung für das kindliche Gehirn, was bedeutet, dass sich das Kind besser konzentrieren kann und eine bessere Reaktionsfähigkeit hat". (Zitat der dänischen Gesundheitsbehörde) 

Weißt du ausreichend über das digitale Leben deines Kindes?

Für einen Erwachsenen kann es eine Herausforderung sein, sich mit neuen Technologien auseinanderzusetzen. Für viele von uns ist das Smartphone vor allem ein Werkzeug. Wir verwenden es zum Kommunizieren, als Hilfe zur Suche von Information oder zum Shoppen von neuen Schuhen oder Bohrmaschinen. Doch wachsen neue Generationen mit einer unüberschaubaren Flut an digitalen Möglichkeiten heran. Und hier sind wir Erwachsenen gefordert, nicht den Anschluss zu verlieren und uns mit der digitalen Realität auseinanderzusetzen, damit wir unsere Kinder leiten und verstehen können.

Vielleicht hast du das Gefühl, dass du nicht viel über Spiele, Influencer oder TikTok-Trends weißt und daher am liebsten hättest, dass sich jemand anderer damit auseinandersetzt und mit deinem Kind darüber redet. Das ist verständlich.

Doch die Verantwortung liegt bei uns. Das digitale Zeitalter ist gekommen, um zu bleiben und es ist wichtig, dass du dein Kind dabei unterstützen kannst, im Dschungel digitaler Inhalte und Angebote zu navigieren. Glücklicherweise ist es nicht notwendig, dass du ein Profil auf sämtlichen sozialen Medien einrichtest oder gar Gamer werden musst, um mitreden zu können. 

Zeige Interesse - und lass dir ab und an von deinem Kind zeigen, wie seine Lieblings-Apps aussehen und was es dort mit seinen Freunden macht. 

Zeige deinem Kind, wie es sicher im Netz surfen kann. Wenn du unsicher bist, welche Seiten sich für Kinder eignen, dann kannst du auf “Schau hin - Was dein Kind mit Medien macht” Tipps zum Surfen und zu kindersicheren Seiten finden. Die informative Plattform wurde ins Leben gerufen, um Eltern Unterstützung und einen Leitfaden für die Nutzung von Medien zu bieten. 

Diese 7 Dinge solltest du machen, um dein Kind beim Erlernen einer konstruktiven Nutzung von Bildschirmmedien zu unterstützen:  

Es ist nämlich essenziell, dass du dein Kind darin unterstützen kannst, sich in der Onlinewelt zu gebärden, genauso wie es wichtig ist, dass du dein Kind unterstützt, wenn es Radfahren, Schwimmen oder Rollschuhlaufen lernt.

Durch die Gefahren und Herausforderungen, die im Internet, in der Welt des Spielens und in der Verwendung von Bildschirmen liegen können, ist es notwendig, dass du dich mit den folgenden Themen auseinandersetzt:

  • Stelle eine Bildschirmzeitbegrenzung am Handy oder Tablet ein
  • Prüfe die einzelnen App-Einstellungen, denn damit kannst du die Weise der Nutzung beeinflussen. Beispielsweise, ob dein Kind eigenständig Kontaktanfragen annehmen kann.
  • Eventuelle Downloads und Einkäufe online erfolgen nur nach Absprache mit dir - auch das kann eingestellt werden
  • Unterstütze dein Kind darin, sich in sozialen Zusammenhängen inkludierend zu verhalten und versuche, digitalem Mobbing konsequent entgegenzuwirken
  • Sei ein gutes Vorbild in Sachen Medienkonsum und Bildschirmzeit
  • Zeige deinem Kind, wie man mit Worten und Emojis auf eine konstruktive und angemessene Weise kommunizieren kann und unterstreiche die Wichtigkeit eines respektvollen Umgangs, um unnötige Gefühlsverletzungen anderer zu vermeiden
  • Hilf deinem Kind dabei, das Handy und das Tablet zeitgerecht auszuschalten, damit der Schlaf nicht beeinträchtigt wird.

Glücklicherweise gibt es zu dem Thema eine große Auswahl an hilfreichen Artikeln und Guides online. Online. Natürlich. Und das ist ja auch gleichzeitig das Dilemma - Information ist heutzutage vor allem via Bildschirm zugänglich.

Es ist allerdings ziemlich notwendig, an einem Bildschirm zu sitzen, um zu lernen, wie man Bildschirmaktivitäten besser steuert und auch lernt, rechtzeitig auszuschalten. 

Unser Rat lautet also: 

Verbringe ein wenig Zeit online, um herauszufinden, wie es ist, online zu sein… denn so kannst du deinem Kind helfen, Bildschirmmedien auf eine sichere, konstruktive und lehrreiche Weise zu verwenden.

Wirkt diese Aufgabe ein wenig unübersichtlich für dich, dann hör dich in deinem Bekanntenkreis um. Alle Eltern sind mit denselben Herausforderungen konfrontiert und einige haben bereits gute Lösungen für ihre Familien gefunden. Vermutlich wird es guttun, sich mit anderen darüber auszutauschen, sei also nicht scheu, das Thema anzusprechen. Denn wir sitzen alle im selben Boot.

 

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