Das GONGE Robo-Board: Trainiere deine Gewichtsverlagerung

Das GONGE Robo-Board: Trainiere deine Gewichtsverlagerung
8. Oktober 2024

GONGE Insights: Robo-Board und Gewichtsverlagerung

Von Physiotherapeutin Hannah Harboe, GONGE

Unsere Auflagefläche im Stehen ist der Bereich, der einen Kreis um die Außenseite unserer Füße bildet. Wenn wir mit beiden Füßen eng zusammen  oder auf einem Fuß stehen, ist die Auflagefläche kleiner. Wenn wir unsere Beine spreizen, ist die Auflagefläche größer. Man kann festhalten: Je kleiner die Auflagefläche ist, desto mehr wird unser Gleichgewicht herausgefordert.

Wenn man Probleme mit dem Gleichgewicht hat und unsicher ist, kann es schwierig sein, das gesamte Gewicht auf ein Bein zu verlagern. Diese beiden Herausforderungen - die kleine Auflagefläche und die unausgereifte Balance  - führen dazu, dass kleine Kinder erst gehen können, bevor sie laufen, und dass ihr Gang zunächst breit und langsam ist.

Beim Gehen befindet immer mindestens ein Fuß auf dem Boden, und die Gewichtsverlagerung ist relativ langsam. Beim eigentlichen Aufsetzen des Fußes sind beide Füße auf dem Boden, der eine gute Auflagefläche bietet. Beim Laufen haben wir hingegen nur mit einem Fuß Bodenkontakt und sind für einen kurzen Moment sogar ohne Bodenkontakt. Hier ist die Auflagefläche kleiner und das Gewicht verlagert sich schneller.

Wenn Kinder Schwierigkeiten haben, ihr Gewicht von einer Seite auf die andere zu verlagern und auf ein Bein zu übertragen, kann das folgende Gründe haben:

  • Körperliche Schmerzen
  • Ein unreifes Nervensystem
  • Handicaps
  • Ein stark reaktives vestibuläres System (der Gleichgewichtssinn ist der Sinn, der uns über unsere Lage im Raum informiert)
  • Eine gestörte propriozeptive Verarbeitung
  • Eine gestörte oder überaus reaktive taktile Wahrnehmung
  • Psychische Herausforderungen mit Angst vor Kontrollverlust

Was auch immer die Herausforderung ist, das Training der Gewichtsverlagerung ist notwendig, wenn wir eine gute und freie Beweglichkeit bei allen motorischen Aktivitäten erreichen wollen.

Das Robo-Board

Das Robo-Board ist so konstruiert, dass eine größere Gewichtsverlagerung nötig ist, um das Brett vorwärts zu bewegen. Im Gegensatz zu einem normalen Skateboard, das gleich mal rollt, wenn man darauf steht, halten die 8 abgewinkelten Räder des Robo-Boards es stabil, wenn das Kind still auf dem Brett steht

Fallbeispiel:

Miriam ist 5 Jahre alt. Sie war schon immer von Natur aus vorsichtig und hat sich von motorischen Spielen und intensiven körperlichen Spielen zurückgezogen. Miriam kommt in unsere Therapie, weil ihre Eltern der Meinung sind, dass ihre motorischen Fähigkeiten nicht altersgemäß ausgereift sind. Miriam sträubt sich auch dagegen, neue motorische Aktivitäten auszuprobieren.

Da Miriam bald in die Schule kommt, möchten ihre Eltern ihre motorischen Fähigkeiten fördern und ihr das Fahrradfahren lernen, damit sie irgendwann selbst zur Schule fahren kann. Während des motorischen Screenings stelle ich fest, dass Miriam viele grobmotorische Funktionen gut ausführen kann, doch ist es ihr Mut, der sie oft im Stich lässt.

Weil sie an ihren eigenen Fähigkeiten zweifelt, geht vieles schief. Ihre Balance wird unsicher, ihre Bewegungen werden steif und Miriams Körper reagiert mit Stress, schweißgebadet und zittig.. Bei den nächsten vier Besuchen in der Klinik machen wir Übungen und Aktivitäten, die von Spiel und freier Bewegung ohne Leistungsdruck geprägt sind. Miriam fasst langsam, aber sicher den Mut, sich dem Spiel hinzugeben. Ich lobe sie ganz bewusst, wenn sie sich selbst herausfordert, wenn sie sich gehen lässt und Spaß hat.

Wenn Miriam Übungen machen muss, die ihr Gleichgewicht fordern, ist sie noch unsicher und hat Angst, zu stürzen und sich zu verletzen.

Wir beginnen mit dem Training auf dem Robo-Board. Zuerst halte ich sie an der Hüfte fest, damit Miriam nicht erschrickt und das Gleichgewicht verliert, wenn sich das Brett bewegt. Allmählich merkt Miriam, dass sie das Gewicht von einer Seite zur anderen schieben und so das Brett in Bewegung bringen kann. Sie findet heraus, wie viel Gewicht auf ein Bein übertragen werden muss, damit sich das Brett drehen kann. Sobald sie die Wirkungsweise der Gewichtsverlagerung verstanden hat, kann ich meine Unterstützung langsam zurückziehen und versichere ihr, dass ich da bin, um sie aufzufangen, falls sie das Gleichgewicht verliert. Ihre Eltern und ich loben sie dafür, dass sie den Mut hat, etwas Neues auszuprobieren.

Im Laufe der nächsten Sitzungen wird sie immer mutiger. Dieser Mut überträgt sich auch auf andere Aktivitäten, bei denen Miriam immer mehr mit ihren motorischen Fähigkeiten experimentiert. Als der Frühling kommt, ist sie bereit, das Fahrradfahren auszuprobieren, und es dauert nicht lange, bis sie zusammen mit ihrem Vater auf ihrem eigenen Rad unterwegs ist.