So schützt du dich vor Onlinebetrug und gefälschten Shoppingplattformen

Sicher handeln im Internet
Veröffentlicht in Guter Rat und Ideen
18. Dezember 2023

Tipps für ein sicheres Einkaufen im Internet

Vielleicht hast du oder jemand, den du kennst, dies auch schon erlebt. Man sitzt am Computer, Handy oder Tablet und surft im Internet. Plötzlich taucht da eine Reklame für genau diese tolle Jacke auf, die sich dein Vater schon lange wünscht. Oder ein total schickes Laufrad für dein Kind. Und das zu einem wirklich günstigen Preis.

Du beeilst dich, auf “Kaufen” zu klicken, zahlst und freust dich, ein tolles Schnäppchen gemacht zu haben. Doch es vergehen Tage, Wochen und noch immer ist kein Päckchen aufgetaucht. Du versuchst, den Webshop zu kontaktieren. Doch es kommt keine Antwort. Du beginnst dir Sorgen um dein Geld zu machen. Was ist passiert? 

Tja, du bist nicht alleine. Internetbetrug ist leider eine alltägliche Form der Kriminalität - viele Menschen werden täglich, auch in Deutschland, Opfer von Fake-Shops. Und diese gefälschten Webseiten werden leider immer raffinierter, wodurch auch ein geübtes Auge auf die Tricks hereinfallen kann. Gefälschte Webshops sind von einem richtigen Webshop schwer zu unterscheiden. Doch der wesentliche Unterschied ist, dass weder eine richtige Firma dahinter existiert, noch dass es die Waren tatsächlich zum Bestellen gibt. Oder es ist eine Firma in China, die qualitativ minderwertige Plagiatwaren verschickt. Und sobald man bezahlt hat, ist die Falle eigentlich schon zugeschnappt. In einigen Fällen ist es dann schwer, das Geld wiederzubekommen. Doch dazu später.

Da Cyberkriminalität ein stark wachsendes Problem weltweit ist, versuchen die verschiedenen Regierungen und Verbraucherschutzinitiativen nicht nur mit zunehmenden gesetzlichen Anpassungen zu reagieren, sondern auch Konsumenten auf diese Herausforderungen aufmerksam zu machen und Werkzeuge zum Selbstschutz zu entwickeln.

In Dänemark, wo verwaltungstechnisch und ökonomisch sehr viel digital erledigt wird, haben verschiedene Organisationen gemeinsam “e-mærket” (übersetzt “elektronisches Siegel”) ins Leben gerufen. Das gemeinnützige Zertifizierungsprogramm bescheinigt Unternehmen, welche die strengen Anforderungen des Programms erfüllen, dass Verbraucher dort einen sicheren und transparenten Handel erwarten können. Wenn man auf dänischen Webseiten einkauft, kann man daher mit Vorteil Ausschau nach dem  “e-mærket”-Siegel halten.

Des Weiteren hat man hier die Plattform Trustpilot ins Leben gerufen. Firmen können ihre Domain dort registrieren. Kunden können dort Unternehmen je nach Erfahrung bewerten. Trustpilot ist daher zu einem gewissen Grade eine gute Möglichkeit, um die Seriosität einer Firma zu recherchieren, wobei man die Relevanz einzelner Kundenbewertungen mit Vorbehalt bewerten sollte.

Doch auch die deutsche Verbraucherzentrale bietet seit kurzem ein smartes Tool online an. Es nennt sich “Fakeshopfinder”. Hier kann man die URL (die Internetadresse, die in den Browser geschrieben wird) eingeben. Der Fakeshopfinder prüft die betreffende Seite anschließend auf diverse Standards. Nach kurzer Zeit kann man dann am Ergebnis sehen, inwieweit der Webshop den Sicherheitskriterien entspricht.

Die ToyAcademy - die auf Dänisch übrigens legeakademiet.dk heißt, ist übrigens ebenfalls mit dem “e-mærket” zertifiziert. Allein im Jahr 2023 hat e-mærket ganze 250.000 falsche Webshops angemeldet. In Deutschland gibt es bis jetzt leider kein einheitlich standardisiertes Sicherheits-Zertifikat für Onlineshops. Die gängigen Siegel sind Dienstleistungen von Unternehmen, die gegen Bezahlung eine Prüfung von Sicherheitskriterien durchführen - was manchmal gut klappt, und manchmal weniger. Doch hat die Verbraucherzentrale viele wertvolle Tipps gesammelt, wie du Fake-Shops im Internet erkennen kannst. Beispiele für Indizien für gefälschte Webshops:

  • Die Preise sind unrealistisch niedrig.
  • Man kann nur per Vorkasse bezahlen
  • Es fehlt eine Möglichkeit der Kontaktaufnahme
  • Es fehlt ein Impressum (verpflichtend nach §5 des Telemediengesetzes)
  • Der Shop ist nur kurzzeitig online
  • Die URL ist merkwürdig oder das https fehlt - Zeichen einer sicheren Verbindung ist

Fake-Shops zählen zum Bereich der Kriminalität

Wenn man es eilig hat, in den Knast zu kommen, kann man beispielsweise einfach einen gefälschten Webshop eröffnen. Denn dies gilt als Betrug und man muss als Konsequenz mit bis zu mehreren Jahren Freiheitsstrafe rechnen. Manche listigen Internetbetrüger kopieren den gesamten Inhalt anderer Webshops. Oder deren Domain - beispielsweise könnte es einen Webshop mit dem Namen www.ballonsfueralle.de geben. Und ein Betrüger nennt das Ganze dann www.ballonsfuerallede.com … 

Dies ist eine der vielen Möglichkeiten, gutgläubige Kunden an der Nase herumzuführen. Millionen von Deutschen wurden schon Opfer von Internetbetrügereien. Leider ist die Tendenz steigend. Bereits der Versuch eines Fake-Shops ist strafbar. Zwar kann es schwierig sein, einen eventuell entstandenen Schadensersatz durchzusetzen, weil die Täter oft im Ausland sitzen, doch können die betreffenden Seiten immerhin ausgemacht und gesperrt werden, um andere Konsumenten zu schützen. Strafanzeigen bei der Polizei können physisch oder online erfolgen.

Auch bei der Verbraucherzentrale oder beim Verbraucherschutz kannst du eine Beschwerde oder Erfahrung mit Internetbetrug oder Cyberkriminalität loswerden.

Leider erfordern diese neuen Formen der Kriminalität, dass wir als Verbraucher uns laufend informieren und aufmerksam und kritisch sind, wenn wir uns in den digitalen Sphären bewegen. Da es stets neue und immer raffiniertere Betrugsmethoden gibt, hinkt die Gesetzgebung leider oft ein wenig hinterher. Daher möchten wir gerne unsere Kunden mit Informationen wappnen,  damit eventuelle Fallen im Internet besser umgangen werden können. Es empfiehlt sich auch, ältere oder mit Technologie weniger erfahrene Menschen in unserem sozialen Umkreis auf diese Gefahren aufmerksam zu machen.

Weitere Ratschläge, wie du Betrug beim Onlineshopping vermeiden kannst

Nimm dir einen Moment Zeit, um die betreffende Internetseite eingehend zu untersuchen und nicht nur den Webshop zu besuchen. Gibt es ein Impressum? Gibt es ein “About us/Über uns”? Gibt es eine Kontaktmöglichkeit? Kaufe nur bei Webshops, die auch eine physische Adresse und Kontaktmöglichkeiten wie Telefonnummern angeben.

Falls der Webshop mit Tausenden von zufriedenen Kunden wirbt, kannst du dies überprüfen, indem du das Unternehmen auf sozialen Medien wie Facebook suchst und dort ihre Bewertungen liest. Du kannst auch die Bewertungsplattform Trustpilot nutzen, um dir einen Eindruck der Zufriedenheit der Kunden zu verschaffen. Ein ehrlicher Webshop benötigt keine Schönfärberei, um Kunden zu gewinnen.

Opfer eines Fake-Shops?

Es muss dir nicht peinlich sein, wenn du auf die Tricks eines gefälschten Webshops reingefallen bist. Denn das passiert täglich - und zwar Tausenden von Kunden.

  • Wenn du tatsächlich erleben solltest, dass du mit einem Webshop, bei dem du etwas bestellt hast, weder in Kontakt kommen kannst, noch die bestellte Ware oder eine Rückerstattung bekommen kannst, dann setze dich am besten sofort mit deiner Bank in Verbindung, um die Zahlung zu stoppen oder unter Umständen rückgängig zu machen.
  • Kontaktiere einen Verbraucherschutz und erstatte eine Strafanzeige bei der Polizei. Hierbei ist es sinnvoll, Belege wie Kaufvertrag, Bestellbestätigung, E-Mails und eventuelle Screenshots zur Hand zu haben.
  • Du kannst auch die Notfallkarte des Bundesinstituts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) für den Fall eines Betrugsverdachts im Bereich Onlineshopping ausfüllen. Diese findest du hier.

Shoppe nur auf vertrauenswürdigen Online-Plattformen

Vermutlich bist du bereits über E-Commerce-Plattformen wie Wish, Temu oder Aliexpress gefallen. Diese Plattformen fallen durch äußerst aggressive Werbung (ihre Anzeigen tauchen überall auf und sie scheinen jede noch so ausgefallene Ware im Sortiment zu haben) und extrem niedrige Preise auf. Es ist jedoch Vorsicht geboten. Diese Unternehmen sitzen in China, wo der Markt viel unkontrollierter ist als in Europa. Dies bedeutet, dass von der Produktion der verschiedenen Waren bis hin zur Lieferkette sämtliche Prozesse undurchsichtig und unkontrollierbar sind. Hinter Temu steckt beispielsweise ein chinesischer Multimilliardär, der zu den 60 reichsten Menschen der Welt zählt. Temu ist auf den Cayman Islands registriert. Auch hinter Wish steckt ein Milliardär. Auch wenn man dort tatsächlich etwas bestellen kann und auch erhält, so sind diese Plattformen keine empfehlenswerte Alternative. Denn die Qualität ist meist fragwürdig: zahlreiche Produkte erzielten bei Qualitätstests bereits grottenschlechte Ergebnisse. Ob Spielzeug oder Kleidung mit schädlichen Chemikalien - oder billige Elektronik, die sofort den Geist aufgibt. Auch können Zölle, hohe Lieferkosten oder Probleme mit Retoursendungen den scheinbar billigen Einkauf ordentlich vergällen.

Insofern ist es empfehlenswert, sich an registrierte, überprüfbare und vertrauenswürdige Internethändler zu halten, wenn man im Netz handelt. Denn selbst wenn man zwischendurch auch mal Glück haben kann, unterstützt man damit ethisch fragwürdige Handelsplattformen. Wenn Preise so extrem niedrig sind, dann zahlt in der Regel irgendwo in der Produktions-, Handels- und Lieferkette jemand drauf. Von Qualität und Umweltbewusstsein ganz zu schweigen.

Schöne Grüße von deinen Spieltanten.