Konzentrische und exzentrische Muskelbewegung mit den Hügelkuppen von GONGE

GONGE Hilltops
1. Februar 2024

Konzentrische und exzentrische Muskelbewegung mit den Hügelkuppen von GONGE

Text nach Hannah Harboe, Physiotherapeutin bei GONGE Insights

Wenn wir uns in qualitativer Übereinstimmung bewegen, wenn Rhythmus, Flow, Bewegungsradius und Stärke mit der jeweiligen Bewegung oder Aufgabe stimmig sind, dann arbeiten unsere Muskeln optimal und arbeiten auf beiden Seiten gut zusammen. Diese Zusammenarbeit besteht aus konzentrischer und exzentrischer Muskelarbeit.

Bei der konzentrischen Muskelbewegung zieht sich der Muskel auf einer Seite des Gelenks zusammen und wird dadurch verkürzt. Auf der anderen Seite des Gelenks findet eine exzentrische Muskelbewegung statt. Dabei wird der Muskel entspannt und verlängert.

Wenn die Muskeltätigkeit auf beiden Seiten des Gelenks gleichmäßig und übereinstimmend erfolgt, dann hat die Muskelarbeit eine optimale Qualität. Der Unterschied zwischen exzentrischer und konzentrischer Muskeltätigkeit lässt sich anhand des Treppensteigens veranschaulichen. Beim Treppensteigen arbeiten unsere Muskeln hauptsächlich konzentrisch: Der Muskel an der Vorderseite des Oberschenkels zieht sich zusammen. Auf diese Weise heben wir unseren Körper auf die nächste Stufe.

Exzentrische Muskeltätigkeit ist vor allem beim Treppensteigen und beim Aufwärtsgehen nützlich: Der Oberschenkelmuskel dehnt und streckt sich, bis der andere Fuß die nächste Stufe erreicht. Exzentrische Muskeltätigkeit ist anstrengend und kraftaufwendig. Wenn die Muskeln für die exzentrische Muskeltätigkeit nicht stark genug sind, wird das Treppensteigen mühsam. Der Muskel hält nicht, sondern gibt nach und man fällt beinahe die Stufe hinunter. Die fehlende Kraft kann durch eine schnellere Bewegung kompensiert werden. Das sieht man oft bei Kindern, die eine Treppe hinuntergehen: Sie machen dies entweder geräuschvoll oder rennen.

Neben der Kraft hängt die richtige konzentrische und exzentrische Muskeltätigkeit auch von unserer Tiefenwahrnehmung (der propriozeptiven Wahrnehmung) ab. Die Rezeptoren für die propriozeptive Wahrnehmung befinden sich in Gelenken und Muskeln und helfen uns, Bewegungen und Gelenkstellungen ohne den Einsatz des Sehsinns wahrzunehmen.

Mit ihren drei verschiedenen Höhen sind die Hügelkuppen ideal für das Training von konzentrischer und exzentrischer Muskeltätigkeit. Dafür kann ein Parcours angelegt werden. Hierbei können Kinder die Hilltops wie eine Treppe verwenden und sich von der niedrigsten zur höchsten Stufe - und wieder zurück - bewegen. 

Wenn das Kind eine größere Herausforderung benötigt, können die verschiedenen Höhen der Hilltops im Parcours variiert werden. Auf diese Weise wird bei der Bewegung laufend zwischen Höhe und Tiefe gewechselt.

Wenn das Kind bewusst langsame Bewegungen beim Besteigen der Hilltops vornimmt, wird die konzentrische und exzentrische Muskeltätigkeit noch mehr herausgefordert.

FALLBEISPIEL

Jacob ist 6 Jahre alt. Er ist klein und schmal gewachsen und isst nicht viel.

Jacob bewegt sich gerne, aber fällt schnell zurück, wenn seine Freunde um die Wette laufen oder Fußball spielen. Er ermattet schnell und merkt, dass er nicht ganz so stark wie seine Freunde ist.

In unserem ersten Gespräch erfahren wir, dass Jacob sich wünscht, stärker zu werden. Die Voraussetzung für einen stärkeren Körper ist, dass seine Muskulatur aufgebaut und gestärkt wird. Dafür muss Jacobs Ernährung angepasst werden, damit sein Körper ein wenig an Masse zulegen kann.

Wenn man ein sehr geringes Körpergewicht hat, fehlt es oft ein wenig an Muskelsubstanz. Durch Training kann Fett in Muskelmasse umgewandelt werden. Daher motivieren wir Jacob in unserem Gespräch, eine fettreichere Kost zu sich zu nehmen. Er ist motiviert und möchte auch gerne Übungen machen, die ihn stärker und schneller machen. Zuerst einmal gilt es, sein Körpergewicht zu erhöhen. Die Eltern erhalten Anweisungen, wie sie Jacobs Ernährung mit zusätzlichem Fett bereichern können. Besonders Kakao mit Schlagsahne, Knäckebrot mit Peanutbutter und ein extra Löffel Öl auf der Pasta begeistern Jacob. Nach einem Monat, so vereinbaren wir, sehen wir uns wieder.

Nach einem Monat kommt Jacob wieder zum Training. Er erzählt stolz, dass er 1 ½ kg zugenommen hat. Wenn Kinder sich noch im Wachstum befinden, ist von Muskeltraining mit Gewichten abzuraten, jedoch kann man die Muskulatur spielerisch trainieren und stärken. Jacob trainiert seine Muskeln beispielsweise, indem er seinen Vater durch den ganzen Raum schiebt, bei der Gartenarbeit hilft und Sand in den Sandkasten befördert. Außerdem bewegt er sich täglich durch fleißiges Treppensteigen zuhause. Dabei trainiert er, indem er die Treppen so schnell und auch so langsam wie nur möglich auf- und absteigt. Dabei werden laufend die Zeiten notiert und Jacob versucht immer wieder, seine eigenen Rekorde zu schlagen.

In der Therapie arbeiten wir mit Hilltops, um die Körperkraft zu fördern. Anfangs fällt es Jacob schwer, das Tempo zu halten, wenn er vom hohen auf den niedrigeren Hilltop steigt. Er besitzt noch nicht die nötige Kraft, die notwendige Zurückhaltung bei der exzentrischen Muskeltätigkeit auszuüben und er verliert beinah das Gleichgewicht. Wir beginnen daher damit, mit Hilltops wie Stufen aufzubauen. Diese Übung gibt Jacob einen guten Einstieg für sein Ziel: Er soll so stark werden, dass er auf die Hilltops in einem gleichmäßigen Tempo auf- und absteigen kann, wobei er seine Muskeltätigkeit gezielt einsetzen lernt.

Jacob wünscht sich, so starke Beine zu bekommen, dass er irgendwann lautlos vom höchsten auf den niedrigsten Hilltop steigen kann. Er trainiert weiterhin zu Hause und kommt einmal monatlich in die Therapie. Er nimmt auch in der folgenden Zeit etwa ein Kilo monatlich zu.

Nach 6 Monaten liegt Jacobs Gewicht in einem optimalen Bereich. Er schafft nun den Hilltops-Parcours ohne Probleme und kann seine Schrittbewegung beim Steigen vom niedrigsten Hilltop auf den höchsten völlig kontrolliert durchführen.

Doch das Beste an dem Ganzen ist, dass Jacob nun deutlich weniger müde ist und mehr Energie und Kraft besitzt. Er schafft es nun sogar, ein ganzes Fussballmatch durchzuziehen. Und das macht ihn froh.